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Fussball und Chancenungleichheit – Was die Nati über Bildungschancen verrät.

Die Nati zeigt, wie ungleich Bildungschancen in der Schweiz verteilt sind und warum manche mehr riskieren müssen, um erfolgreich zu sein.

06.10.2026 19:05•Strada Redaktion
Fussballstadion voller Schweizer Fans

Wenn die Nati heute Dienstag ihr nächstes Spiel in der Nations League gegen Nordmazedonien bestreitet, stehen wieder hauptsächlich Spieler mit Migrationshintergrund für die Schweiz auf dem Platz. Nach dem euphorischen Einzug in das WM-Viertelfinale können sie sich der Unterstützung der Bevölkerung sicher sein. Neben den überwiegend positiven Gefühlen, welche Xhaka, Embolo, Manzambi und Co. entgegengebracht werden, sieht man in den Kommentarspalten auch die immer wiederkehrenden rassistischen Kommentare – worauf solle man(n) denn stolz sein? In der Schweizer Nati spielten doch eh kaum noch «echte» Schweizer, so der Tenor dieser Anfeindungen.

Wenn man die Inhalte dieser Kommentare zurückweist, kann man sich dennoch eine spannende Frage stellen. Weshalb spielen in der Nati vorwiegend Spieler mit Migrationshintergrund und somit Menschen aus marginalisierten Bevölkerungsgruppen? Da Plätze im Spitzensport sehr begrenzt sind, ist es ein grosses Risiko, auf eine Profikarriere im Fussball zu setzen. Wie hoch dieses tatsächliche Risiko ist, hängt aber von den eigenen Möglichkeiten ab. Für manche Familien kann die Aussicht auf eine Sportkarriere eines Kindes eine schöne Option sein, aber eine gute Ausbildung ist eine vergleichsweise sichere und realistische Alternative. Für viele Menschen mit Migrationshintergrund ist der Zugang zu Bildung, welche finanzielle Sicherheit verspricht, deutlich erschwert.

Erhebungen des Bundesamtes für Statistik zeigen, dass der Anteil junger Menschen mit Migrationshintergrund, welche nach der obligatorischen Schule keiner weiterführenden Ausbildung nachgehen, seit 2012 konstant mindestens doppelt so hoch ist wie jener ohne Migrationshintergrund.

Eine gute Ausbildung ist einer der zuverlässigsten Wege, ein finanziell sicheres oder sogar komfortables Leben zu führen. Die sozialen Verhältnisse, aus denen man stammt, beeinflussen dabei stark die Chancen, eine solche sichere Zukunft zu erreichen. Migrationshintergrund ist dabei ein Risiko, welches diese Chancen für Menschen in der Schweiz negativ beeinflusst.

2024 betrug der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund, welche «nur» über einen obligatorischen Schulabschluss verfügten, über 27 % – der von Menschen ohne Migrationshintergrund lediglich knapp 13 %. Bei den Abschlüssen der Sekundarstufe II sind die Verhältnisse vertauscht: Etwas mehr als 50 % der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund haben eine Mittelschule abgeschlossen und damit Zugang zu besser bezahlten Jobs – bei den Menschen mit Migrationshintergrund sind es lediglich 33 %. Bei den Menschen mit einem Hochschulabschluss sind die Verhältnisse ausgeglichen; Menschen mit Migrationshintergrund erreichten diesen Bildungsstand sogar etwas öfter.

Menschen der 1. Generation mit Migrationshintergrund haben zusätzlich erschwerte Voraussetzungen, einen höheren Bildungsstand zu erreichen. Die Kinder von Ausländer*innen haben, egal ob ihre Eltern einen hohen oder niedrigen Bildungsstand haben, eine mehr als doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, nicht über einen obligatorischen Schulabschluss hinauszukommen.

Auch wenn der Bildungsstand nicht alleine die späteren finanziellen Verhältnisse einer Person bestimmt, spielt er doch eine grosse Rolle. Soziale Umstände reproduzieren sich, und marginalisierte Eigenschaften wie Migrationshintergrund erschweren die soziale Mobilität, also die Chancen, bessere Umstände zu erreichen. So ist es nicht verwunderlich, dass einige der Natistars, wie beispielsweise der Captain Granit Xhaka im Basler Quartier St. Johann, an migrantisch geprägten und wirtschaftlich schwachen Orten aufgewachsen sind. Xhakas Familiengeschichte ist sinnbildlich dafür, wie viele migrantische und armutsbetroffene Familien in der Schweiz unter erschwerten Bedingungen und mit höherem Risiko ihr Leben bestreiten und ihre Träume verwirklichen müssen.

In der Nati spielen die besten Fussballer der Schweiz. Die meisten von ihnen tragen «ausländische» Namen. Egal wie privilegiert sie trotz ihrer Herkunft aufgewachsen sind, sie zeigen uns, dass Menschen mit Migrationshintergrund in der Schweiz grössere Risiken eingehen müssen, um erfolgreich zu sein.

Bild: Rushi Patel / Pexels